An interview between art historian Emily Hayes and artist Johannes Popp.

EH: Johannes, your work revolves around capturing moments that might otherwise fade away. What drives you to preserve these fleeting imprints?

JP: I am fascinated by the idea of capturing time itself. By working with textile concrete, I aim to preserve the transient and make it permanent, challenging our perception of time and urging us to see it not as a linear flow, but as a complex, interconnected phenomenon.

EH: As you mentioned, you work with textile concrete and acrylic paint. How does this combination serve your artistic vision?

JP: The textile concrete acts as a canvas that captures the traces of movement and gesture. Once the concrete sets, I build upon it intuitively, applying up to 70 layers of acrylic paint. This process allows me to weave the physical and emotional narrative of the moment, where each layer of paint adds not just depth, but also a sense of time and presence that defines the work.

EH: The scale of your work is often quite large. How do you approach creating such expansive pieces?

JP: To handle large-scale pieces, I use an industrial car painting system. It allows me to apply multiple layers of paint efficiently and with precision, which is key to achieving the level of detail and depth I aim for in each work.

EH: How did you arrive at such a unique technique?

JP: My journey began with classical oil painting, followed by the exploration of concrete sculpture. Driven by the desire to merge these two distinct mediums, I spent several years engaged in a process of trial and error at various art academies. This experimental phase ultimately led me to discover textile concrete, a medium that enables me to intertwine the fluidity of painting with the enduring nature of sculpture.

EH: What do you hope viewers take away from experiencing your art?

JP: My work invites you to see the unseen and reflect on what truly endures. It’s about the marks we leave behind—those that shape our experience and impact the world around us, long after the moment has passed. It encourages reflection on how these imprints transcend time, creating a lasting dialogue between the past, present and future.



EXHIBITIONS

2024 work life balance @ Billy Jacob Projects Berlin (group exhibition)

2023 The Door Is Almost Open @ warehouse Berlin (group exhibition)

2022 Echoes of Tomorrow @ Villa Heike Berlin (solo exhibition)

2022 Yet Yet @ Kühlhaus Berlin (group exhibition, graduation show)

2022 Diagonale 4 / Transfinity @ Verwalterhaus Berlin (group exhibition)

2021 Tuning Realitites @ benzinLAB Berlin (solo exhibition)

2020 U55 @ Berlin Hauptbahnhof (group exhibition)

2019 30under30 @ Städtische Galerie Braunschweig (group exhibition)

2018 NEW HEROES @ Povvera Gallery Berlin (group exhibition)

BIOGRAPHY

Born 1995, in Germany. Lives and works in Berlin.

2022 graduated with a Master of Fine Arts (MFA) degree

2019 - 2022 Art Academy Berlin Weißensee

2018 – 2019 Bauhaus University Weimar

2016 – 2018 Academy of Fine Arts Braunschweig



Essay about "Echoes of Tomorrow" solo exhibition by Johannes Popp at Villa Heike Berlin

written by art historian Carl Hohrath

Zeit… ein kaum zu greifendes Phänomen. Um sich dem zu nähern und Zeit ebenso beschreib- wie analysierbar zu machen, wird sie bekanntermaßen in drei Stufen unterteilt: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. In der alltagssprachlichen Übersetzung: gestern, heute, morgen. Diese Zeitstufen sind untrennbar miteinander verknüpft: Ohne Gestern kein Heute, ohne Heute kein Morgen. Ein verbindendes Element zwischen gestern, heute, morgen bildet das Echo. Ein Laut wird ausgestoßen, ein Echo entsteht. Doch sind Echos nicht medial begrenzt, sie sind in den verschiedensten Bereichen zu beobachten und auch in der Kunst. Echos können kumulativ sein oder reziprok oder beides gleichzeitig. Echos sind medial vermittelt, aber fungieren auch selbst als Medium. Das Echo ist Blick zurück, doch auch ein Blick nach vorn. Bereits heute ist gewiss, bald ist morgen. Die farbintensiven Beton-Gemälde von Johannes Popp sind ein solches Echo.

Er rettet den Moment, ein Tanz ist schnell vorbei, Musik ist schnell verklungen: Er konserviert Bewegung und Ton und macht sie unvergänglich. Doch hält er die Situation nicht einfach nur fest, er trifft mit ihr zusammen, reagiert auf sie. Popp, der für seine Gemälde „ultra-high-performance“ - Beton verwendet, bewahrt, speichert, verewigt Situationen. Ein mit einem engmaschigen Netz bespannter Keilrahmen wird mit Beton übergossen, nun bleiben wenige Minuten, um Abdrücke in der Oberfläche zu hinterlassen, eines Autos, eines Tänzers, eines Tisches.

Nach dem Aushärtungsprozess kommt die Malerei: Popp geht ein ums andere Mal über die topographisch anmutende Landschaft auf dem Rahmen und trägt unzählige Farbschichten auf. Es ist für Popp auch immer eine Auseinandersetzung mit der versehrten Oberfläche. Es ist ein Augenblick der Gemeinschaft, der Tänzer, der mit seinen Füßen den Beton bewegt hat, und der Künstler sind sich nahe in diesem Moment. Doch ist die Arbeit an den Werken nicht gleichzeitig. Sie ist zeitlich versetzt, sie sind beisammen aber doch nicht gemeinsam da. Damit provoziert Johannes Popp die Frage: „Wie und wann sind wir eigentlich zusammen?“ Er macht uns aufmerksam auf die Vielheit der Momente zur selben Zeit. Sogar wenn wir gemeinsam sind, sind wir vielleicht nicht beisammen.

Ein wiederkehrendes Motiv der Kunstgeschichte ist das Streben nach Ewigkeit, „Wer schreibt, der bleibt.“ gilt auch in der Kunst. Popp hält zwei Momente im endlosen Lauf der Zeit in seinen Werken fest, die geprägte und die gemalte Aktion; diese beiden Mittel seiner Kunst sieht man als Betrachter*in zugleich. Die zeitliche Trennung im Arbeitsprozess ist verwischt. Obwohl beide Arbeitsprozesse flüchtige Momente sind, vermitteln sie beide tiefgehende Erkenntnisse. Es sind Momentformationen: erst geprägt, dann gemalt, um zu bleiben. Trotz der erbarmungslos rinnenden Zeit nimmt uns Popp in den Arm und sagt uns: „Etwas bleibt!“





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